Viele Selbstständige setzen ihren Tagessatz, indem sie schauen, was andere verlangen, und ein bisschen darunter bleiben. Das Problem: Du weißt nicht, ob die anderen davon leben können. Rechne deshalb andersherum – von dem, was du brauchst, zum Preis.

Schritt 1: Was muss am Ende übrig bleiben?

Starte mit dem Gewinn vor Steuern, den du im Jahr brauchst. Darin muss alles stecken, was bei Angestellten der Arbeitgeber zum Teil übernimmt: Krankenversicherung, Pflegeversicherung und Altersvorsorge, die du als Selbstständiger meist vollständig selbst zahlst. Dazu kommen die Einkommensteuer und das, was du privat zum Leben brauchst.

Schritt 2: Betriebskosten dazurechnen

Alles, was dein Geschäft kostet: Büro, Software, Hardware, Versicherungen, Steuerberatung, Fahrzeug, Weiterbildung, Marketing. Gewinn plus Kosten ergibt deinen Jahresumsatz-Bedarf.

Schritt 3: Fakturierbare Tage ehrlich zählen

Ein Jahr hat rund 250 Arbeitstage. Davon gehen Urlaub, Krankheit und Weiterbildung ab, und von dem, was übrig bleibt, verbringst du einen großen Teil mit Akquise und Verwaltung. Realistisch sind 100 bis 140 abrechenbare Tage im Jahr. Wer mit 220 Tagen rechnet, setzt seinen Preis viel zu niedrig an. Die Rechnung im Detail steht im Artikel Kapazität planen.

Schritt 4: Teilen und Puffer einrechnen

Jahresumsatz-Bedarf geteilt durch fakturierbare Tage ergibt deinen Mindest-Tagessatz. Rechne darauf einen Puffer von 10 bis 20 %: für Leerlauf zwischen Projekten, für Kunden, die spät zahlen, und für Angebote, die nicht zustande kommen.

Beispielrechnung

  • Gewinn vor Steuern (inkl. Krankenversicherung und Vorsorge): 80.000 €
  • Betriebskosten: 15.000 €
  • Jahresumsatz-Bedarf: 95.000 €
  • Fakturierbare Tage: 120
  • Mindest-Tagessatz: 95.000 € ÷ 120 = rund 790 €
  • Mit 15 % Puffer: rund 910 € netto pro Tag

Die Zahlen sind ein Beispiel, keine Empfehlung. Setz deine eigenen ein – das Ergebnis ist oft überraschend und fast immer höher als gedacht.

Und wenn der Markt das nicht zahlt?

Dann weißt du es wenigstens vorher. Du kannst an drei Stellschrauben drehen: mehr abrechenbare Tage durch weniger Verwaltung, niedrigere Kosten oder ein Angebot, das mehr wert ist als ein Tag Arbeit, etwa ein Festpreis für ein klar umrissenes Ergebnis. Was nicht funktioniert: dauerhaft unter dem Mindest-Tagessatz arbeiten und hoffen.

Ob dein Tagessatz fürs ganze Jahr reicht, zeigt dir die Liquiditätsplanung für Selbstständige.

Systeme für Selbstständige – alle zwei Wochen per Mail

Neue Vorlagen, Checklisten und Setups, bevor sie auf Pinterest landen. Kein Spam, kein Hype.

Fast geschafft: Bitte bestätige die Anmeldung über den Link in deinem Postfach.
Das hat nicht geklappt. Bitte prüfe die Adresse und versuche es erneut.

Mit der Anmeldung bekommst du den Newsletter „Systeme für Selbstständige“ und willigst ein, dass Öffnungen und Klicks ausgewertet werden. Abmeldung jederzeit über den Link in jeder Mail. Details in der Datenschutzerklärung.