Leseempfehlung für dieses Wochenende (11.+12. Mai)

Hallo liebe Interessierte. Diese Woche empfehle ich euch ein Buch zu einem der vielleicht wichtigsten Management-Konzepte. Dennoch ist das Konzept in der Praxis weniger verbreitet, als man annehmen möchte.

Im Zentrum des Konzepts steht das #Effizienzparadoxon. Konkret geht es um die Begriffe #Flusseffizienz und #Ressourceneffizienz. Die Ressourceneffizienz beschreibt das, was man in der Betriebswirtschaft „Auslastung“ nennt, also wie stark eine Ressource zeitlich genutzt wird.

Flusseffizienz betrachtet dagegen die Zeit, die zwischen dem Identifizieren eines Bedarfs und dessen Erfüllung vergeht. Also so etwas wie „Wertstromeffizienz“.

Warum Lean nun nicht so weit verbreitet, wie man meinen möchte?

Das erste Mal kam ich mit dem Thema Lean im Rahmen einer „agilen Transformation“ 2009 in Kontakt. Spät, wenn man überlegt, wie lange das Konzept bereits existierte. Nicht zuletzt hat Lean in den 90ern vermutlich #Porsche den Hals gerettet. Aber die Telekommunikations- und Softwarebranche hatte halt einfach länger gebraucht. Eine zentrale Methodik, die wir einführten, war (Software-) Kanban. @davidanderson, der „Schöpfer“ der Adaption von. Kanban für die Softwareentwicklung bezeichnet Kanban als #kontraintuitiv. Gleiches gilt für den komplexen #Leanmanagement. Immer wenn etwas nicht intuitiv ist, erfordert es #Nachdenken und oft bleibt im hektischen Day-to-day, ja genau hierfür keine Zeit.

….being busy is sexy (or so it seems)

Der #HarvardBusinessManager titelte die Juniausgabe 2023 pointiert „Busy is the new stupid“. Intuitiv ist es so, dass mehr Zeiteinsatz, mehr „Fleiß“, immer noch als Tugend gesehen wird. (Bitte nicht falsch verstehen: Auch ich empfinde Fleiß als wichtig und Fleiß ist wichtig, von jedem um die Gesellschaft nach vorne zu bringen, aber er sollte in das Richtige investiert werden.. Genau deshalb ist die Hürde, an ein Konzept wie Lean zu glauben, relativ hoch. Weil die Folge von Lean ist: Mehr #Outcome bei weniger Zeiteinsatz und das mutet halt suspekt an, weil man plötzlich frei verfügbare Zeit gewinnt und man sich dann „faul“ fühlt. Die Folge ist oft, dass man sich einfach Dinge sucht, damit man irgendwie „busy“ ist. Z.B. noch ein Meeting, noch ein paar E-Mails, die zu schreiben sind, etc.

Der Autor eines Artikels, ich weiß beim besten Willen nicht mehr, wo ich den gelesen habe (man möge es mir nachsehen), hat dies mit „Busy sein ist eine Form von Prokrastination“ beschrieben. Vor lauter Angst „faul“ zu wirken, beschäftigen wir uns lieber mit irgendwelchen Dingen, als dem Wichtigen.

Da fällt mir noch eine Volksweisheit aus meiner Heimat, dem #Schwabenland, ein: „No et domm, liaber recht faul“ (Übersetzt: Nur nicht dumm, lieber recht faul). Das aus dem Munde der Erfinder, Tüftler und Häuslebauer, das ist schon ein Statement, oder nicht?

Was tun mit der gewonnenen Zeit?

Zum Beispiel Dinge ausprobieren, neue Technologien ausprobieren, einfach mal ein paar schräge Sachen tun. In genau diesen Tätigkeiten schlummert Innovation und Neues für zukünftiges Wachstum. Innovation braucht Raum für #Slack – also das lockere, nicht zielgerichtete Agieren.

Schluss

Vielleicht noch ein weiterführender Gedanke zum Schluss. Der Anteil von „Denkarbeit“ an der Wertschöpfung ist in den letzten Jahren immer weiter gestiegen und ich persönlich sehe hier keine Trendwende in absehbarer Zeit. Denkarbeit ist nun nicht skalierbar, d.h. mit einer Stunde mehr Denken generiere ich eben nicht x Euro mehr Wert. Zusätzlich ist es speziell in der Softwareindustrie evident, dass zeitliche Überlastung zu massiven Qualitätseinbußen führt, die Nacharbeiten und noch mehr Zeiteinsatz erzwingen. Schon ist man in einer Spirale. Und aus dieser kommt man nur raus, wenn man bereit ist, sich kontraintuitiv zu verhalten und das unangenehme Gefühl „mal nix tun zu müssen oder können“ bereit ist auszuhalten.

Diese Gedanken zu Zeit/Zeiteinsatz/Outcome haben sich bei mir zu einer Frage manifestiert, zu der ich auch noch keine klare Antwort gefunden habe.

Wenn Zeiteinsatz nicht mehr direkt bzw. sehr indirekt mit der „Ausbringungsmenge“ (Outcome) korreliert, was bedeutet das für Arbeit, Beschäftigung aber auch Beschäftigungsgrad, bzw. Arbeitslosenquote und Arbeitslosigkeit. Ist der Beschäftigungsgrad perspektivisch überhaupt noch eine valide Messgröße für volkswirtschaftlichen Erfolg?

Ich weiß es nicht, aber ich denke weiter darüber nach, im Urlaub.

Sonnige Grüße aus der großartigsten Stadt in Deutschland

#Mannheim


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