Heute erreichte mich auf einer dieser populären Social-Media-Plattformen folgende Meldung:

Forscher aus führenden KI-Laboren und Spitzenuniversitäten schätzen:
10–25 % Wahrscheinlichkeit einer zivilisationsweiten Störung vor 2035
40–60 % Wahrscheinlichkeit einer dauerhaften wirtschaftlichen Unterschicht
70–90 % Wahrscheinlichkeit von Massenarbeitslosigkeit, die eine Abhängigkeit vom Staat erforderlich macht

Auch wenn Quelle und Plattform einer akademischen Zitierung nicht standhalten, trifft der Gedanke den Kern meiner Überlegungen – Überlegungen, die sich insbesondere aus meinen Erfahrungen im Geschäftsleben der letzten zwei Jahre immer mehr manifestiert haben. Diese lassen sich auf die Beantwortung folgender Frage zurückführen:

„Was, wenn es für uns einfach nicht mehr genügend Dinge zu tun gibt, die wir als Menschen tun müssen?"

Ich schreibe hier absichtlich „Dinge zu tun" und nicht „arbeiten". Hintergrund ist ein Artikel, den ich in einer Phase der Verwunderung über den Diskurs geschrieben habe, der in den Medien geführt wurde und geführt wird (https://walcz.de/was-das-business-von-der-physik-lernen-kann/). Man muss allerdings auch den Wirkungskreis von „Business" auf Politik ausdehnen, denn eben dieser Diskurs wird hier aktuell ebenfalls geführt. Vor dem Hintergrund der oben gestellten Frage wächst mein Unwohlsein, weil ein großer Teil der politischen Landschaft – egal ob links, rechts oder sonstwie – und der Geschäftswelt implizit folgende Annahmen für ein Funktionieren unserer Wirtschaft zugrundelegen:

  1. Der Beschäftigungsgrad sagt etwas über die Stärke der Wirtschaft aus.
  2. Arbeit („Dinge zu tun") bzw. Arbeitsplätze sind der Treiber von Wirtschaft und Wirtschaftswachstum.
  3. Wenn wir mehr „arbeiten" (eigentlich mehr leisten), dann wird alles gut.

Die oben zitierten Studien postulieren nun jedoch den Effekt, dass für das Gros der Menschen nicht mehr genügend „Dinge zu tun" sein werden – das Wachstum jedoch trotzdem da sein wird, und zwar durch die „KI".

Lassen Sie uns einmal annehmen, dass diese Studien richtig liegen. Dann ist dies der unmittelbare Beweis dafür, dass die Annahmen, die uns seit Jahren, Jahrzehnten, ja sogar Jahrhunderten begleiten, unwiderlegbar falsifiziert werden.

Nämlich der Zusammenhang zwischen Arbeit, die durch Menschen erbracht wird („Dinge, die einen Mehrwert in der Wertschöpfung generieren, für die Kunden bereit sind zu zahlen"), und Ertrag ist nicht haltbar.

Jetzt halten wir einmal inne und lassen das sich setzen.

Wenn nun die Arbeit gar nicht (mehr) relevant ist, hat somit der Beschäftigungsgrad und damit umgekehrt auch die Arbeitslosenquote als volkswirtschaftliche Messgröße (KPI) ausgedient und keine Aussagekraft mehr.

Und genau an dieser Stelle entwickelt sich mein Bauchgrummeln eher in Richtung Bauchschmerzen. Die meisten politischen Positionen bezüglich Wirtschaft stellen genau diese Messgröße ins Zentrum ihres Handelns und ihrer Argumentation, warum ihre Parteiprogramme besser seien als die der anderen.

Die Logik des Vorhergesagten führt unmittelbar zu der Erkenntnis, dass kein Programm, das mit so einer Messgröße arbeitet, „richtig" sein kann – auf jeden Fall aber auf Basis eines signifikanten Designfehlers eine hohe Wahrscheinlichkeit systematischen Misserfolgs in sich trägt.

„Jeder Fehler basiert auf einer Annahme."

Für mich ist völlig klar, dass wir unsere Annahmen massiv überarbeiten und kritisch hinterfragen müssen. Und wir müssen einen Weg finden, unsere impliziten Annahmen explizit zu machen, um diese korrigieren zu können, falls sie falsch sind. Sonst werden wir wirklich in Schwierigkeiten geraten.

Ich bin der festen Überzeugung, dass die anfänglich angeführten Studien richtig liegen. Es wird nicht mehr genug Dinge zu tun geben, und je früher wir bereit sind, dies zu akzeptieren – vor allem zu diskutieren –, desto eher werden wir noch rechtzeitig Lösungen finden, bevor der Laden an die Wand fährt.

Und ja, das heißt:

  • Bürger werden nicht mehr für das „Dinge tun" bezahlt werden.
  • Ja, es wird ein Grundeinkommen geben müssen (NEIN: NICHT bedingungslos).
  • Ja, die Systeme, die die Wirtschaftsleistung erbringen, werden dieses Geld liefern müssen, weil Wirtschaft der Gesellschaft dienen muss und nicht umgekehrt. Nur aus ihrem Nutzenbeitrag für die Gesellschaft ziehen die Wirtschaftssubjekte ihre Daseinsberechtigung.

Das lege ich in einem meiner nächsten Aufsätze noch detailliert dar.